Asylstatistik 2017

Deutlicher Rückgang der Asylantragszahlen 2017

Stefan Rabl, 31.3.2018

2017 wurden in Österreich 24.735 Asylanträge gestellt. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Aber es hat sich auch die Zusammensetzung der AsylwerberInnen geändert. Entgegen dem Klischee, dass Asylsuchende vor allem junge Männer sind, zeigen die Statistiken, dass fast die Hälfte der Asylanträge 2017 von bzw. für Kinder und Jugendliche gestellt wurden, nur ein Viertel hingegen von jungen Männern. Ausgewertet wurden die aktuelle Asylstatistik des BMI für 2017, ergänzt durch die Statisitken aus früheren Jahren und Daten von Eurostat.

Rückgang der Asylanträge um 42 Prozent gegenüber 2016

Die Zahl der in Österreich gestellt Asylanträge ging 2017 von 42.285 im Jahr 2016 auf 24.735 zurück. Das ist ein Minus von 42,5 Prozent. 22.471 Ansuchen waren Erstänträge, 2.264 Anträge waren von Personen, die bereits früher einmal einen Asylantrag gestellt hatten. Im Vergleich zu früheren Jahren lag 2017 im Mittelfeld: von 2014-2016 und von 2001-2003 wurden mehr Anträge gestellt als 2017, von 2004-2013 weniger.

Asylanträge in Österreich pro Jahr

Monatliche Asylantragszahlen auf tiefstem Standt seit Anfang 2014

Im November und Dezember 2017 wurden mit 1.643 bzw. 1.584 Anträgen die niedrigsten monatlichen Antragszahlen seit Jahresbeginn 2014 erreicht. Die meisten Anträge auf internationalen Schutz wurden 2017 im August gestellt (2.512 Anträge).

Asylanträge in Österreich pro Monat

Zugelassene Verfahren weit unter Obergrenze

2016 hatte die damalige Bundesregierung eine Obergrenze für zugelassene Asylverfahren beschlossen. Diese wurde mit 37.500 für 2016, 35.000 für 2017, 30.000 für 2018 und 25.000 für 2019 festgelegt. Während 2016 diese Obergrenze nur knapp nicht erreicht wurde, blieb die Zahl der zugelassenen Asylverfahren 2017 deutlich darunter. Insgesamt wurden 20.137 Personen zum Asylverfahren zugelassen (17.345 Personen, die 2017 einen Asylantrag gestellt hatten, und 2.792 Personen, die bereits vor 2017 um Asyl angesucht hatten).

Erst- und Mehrfachasylanträge, zulassungen zum Asylverfahren, Obergrenze

Anmerkung: Zugelassen wird ein Asylverfahren erst dann, wenn geklärt wurde, dass Österreich auch tatsächlich für die Bearbeitung des Asylantrags zuständig ist (und nicht etwa aufgrund der Dublin-Verordnung ein anderer EU-Mitgliedsstaat).

Ein Drittel aller Asylansuchen von SyrerInnen

Die meisten AsylwerberInnen kamen 2017 aus Syrien (30% aller Anträge) und Afghanistan (15%). Andere Herkunftsstaaten mit mehr als 1.000 Asylansuchen waren Pakistan, Nigeria, der Irak und Russland. Ebenfalls noch unter den Top-10-Herkunftsländern finden sich der Iran, Somalia und die Ukraine. Auch 800 Personen mit ungeklärter Staatsbürgerschaft (v.a. Staatenlose) stellten 2017 Asylanträge in Österreich.

Karte Hauptherkunftländer AsylwerberInnen in Österreich

Anmerkung: Das BMI fasst in der Statistik staatenlose Personen und solche mit unbekannter Herkunft zusammen. Eurostat gibt 775 Asylanträge von Staatenlosen und 25 von Personen mit unbekannter Herkunft für 2017 an. Zur Herkunft der Staatenlosen gibt es keine Angaben, es dürfte sich aber v.a. um PalästinenserInnen, die in Syrien gelebt hatten, handeln.

Hauptherkunftsland Syrien

Syrien löste 2017 Afghanistan wieder als wichtigstes Herkunftsland ab. Gegenüber 2017 ging die Zahl der Asylanträge von SyrerInnen zwar um 16% zurück, einen noch viel stärkeren Rückgang (nämlich um 69%) gab es bei den Asylansuchen von AfghanInnen. Von 2008 bis 2013 waren die Russische Föderation und Afghanistan die beiden Hauptherkunftsstaat, seit 2014 sind es Afghanistan und Syrien.

Asylanträge Entwicklung Hauptherkunftsländer

Mehr Kinder und Jugendliche als erwachsene Männer

2014 wurden noch 56% aller Asylanträge von erwachsenen Männer gestellt. Seit damals ist ihr Anteil Jahr für Jahr gesunken und lag 2017 bei nur mehr 33%. Stark gestiegen ist hingegen der Anteil von Minderjährigen: von 30% 2014 auf mittlerweile knapp 49%. Erwachsene Frauen waren 2017 für 18% der Asylansuchen verantwortlich. Auch bei ihnen gab es einen Anstieg, wenngleich nur geringfügig.

Asylanträge nach Geschlecht

Anmerkung: Die Daten von Eurostat sind immer auf "5" bzw. "10" auf- oder abgerundet.

Ein Viertel der Asylanträge von jungen Männern

Die Ansicht, dass vor allem junge Männer als Asylsuchende nach Österreich kommen, war zwar nie ganz richtig, hatte vor einigen Jahren jedoch eine gewisse Berechtigung: 2014 waren noch 42% aller AsylwerberInnen Männer von 18 bis 34 Jahre. 2017 ist ihr Anteil allerdings auf 25% gesunken. Was allerdings richtig ist, ist dass mehr Männer unter 35 Jahren als Männer über 35 und mehr junge Männer als junge Frauen als Asylsuchende nach Österreich kommen. Bei Kindern und Erwachsenen über 35 Jahre gibt es hingegen nur geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Menschen, die älter als 65 Jahre sind, finden sich nur selten unter den AsylwerberInnen.

Asylanträge nach Geschlecht

Aus Syrien vor allem Kinder und Frauen, aus Pakistan fast nur Männer

Wenn wir die Asylsuchenden nach Geschlecht, Herkunft und minderjährig/erwachsen gruppieren und nach der Zahl der Asylanträge orden, kommen wir zu einem vielleicht überraschenden Ergebnis: die größte Gruppe bilden syrische Burschen, gefolgt von syrischen Mädchen, syrischen Frauen und afghanischen Burschen. Danach kommen pakistanische Männer, die die meisten Asylanträge von erwachsenen Männern gestellt haben. Syrische Männer spielen eine vergleichsweise unbedeutende Rolle: sie machen nur 9% der Asylanträge von syrischen Staatsangehörigen aus.

Der mit 65-71% sehr hohe Anteil von Minderjährigen bei syrischen, afghanischen und somalischen AsylwerberInnen deutet darauf hin, dass wohl ein bedeutender Teil der AsylwerberInnen aus diesen Staaten über den Familiennachzug nach Österreich gekommen ist. Unter den Asylsuchenden aus Pakistan, Nigeria und dem Iran finden sich hingegen eher wenige Kinder und Jugendliche. Bezüglich der Geschlechtszugehörigigkeit gab es AsylwerberInnen aus Syrien und bei Staatenlosen eine Mehrheit von weiblichen Personen, bei der Ukraine und Russland war das Verhältnis ausgeglichen. Asylsuchende aus Pakistan wiederum waren zu 99% männlich. Auch Nigeria und Afghanistan wiesen nur einen geringen Anteil weiblicher Personen auf.

Asylanträge nach Geschlecht

Anmerkung: Die Daten von Eurostat sind immer auf "5" bzw. "10" auf- oder abgerundet.

Starker Rückgang bei unbegleiteten Minderjährigen

1. 352 Asylanträge (5,5 % aller Anträge) wurden von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) gestellt, das waren 65% weniger als 2016 (die Gesamtasylanträge gingen im Vergleich dazu "nur" um 42% zurück). Der Großteil der unbegleiten Minderjährigen war zwischen 14 und 18 Jahre alt und männlich. Hauptherkunftsland war wie schon in den Jahren zuvor Afghanistan.

Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen

Anmerkung: Bei der Einordnung als "unbegleiteter Minderjährige/r" wird vom BMI jenes Alter herangezogen, das zum Zeitpunkt der Auswertung von den nationalen Behörden akzeptiert wird. Berichtigungen aufgrund einer Altersfeststellung sind im Nachhinein möglich. So wurden in der im Jänner 2018 veröffentlichen Monatsstatistik für Dezember 2017 1.751 Asylanträge von UMF für 2017 angegeben, in der im März 2018 erschienen Jahresstatistik waren es dann nur noch 1.352.

Mehr als 30.000 Menschen erhielten ein Aufenthaltsrecht

30.428 Menschen wurde 2017 ein zumindest befristetes Aufenthaltsrecht in Österreich zugesprochen, 21 .079 davon erhielten Asyl, 7.081 subsidiären Schutz und 1.580 einen humanitären Aufenthaltstitel. Dem stehen 28.818 rechtskräftig negative Entscheidungen gegenüber. Im Vergleich zum Vorjahr gab es um 2% weniger positive Asylentscheidungen, dafür haben sich die Gewährungen von subsidiärem Schutz beinahe verdoppelt. Die rechtskräfig negativen Entscheidungen stiegen um 7%.

Entscheidungen im Asylverfahren 2014-2017

Anmerkung: "Sonstige Entscheidungen" sind v.a. Verfahrenseinstellungen. Unter den negativen Entscheidungen sind auch Entscheidungen zu Asylanträgen enthalten, die wegen Zuständigkeit eines anderen EU-Mitgliedsstaats zurückgewiesen wurden. Diese Personen könnten aber durchaus Gründe für Asyl oder subsidiären Schutz gehabt haben.

Am öftesten erhielten SyrerInnen Asyl

Mehr als die Hälfte aller Personen, die 2017 Asyl in Österreich erhielten, kam aus Syrien. Aber auch eine bedeutende Zahl von AfghanInnen wurde der Asylstatus zuerkannt. Subsidiärer Schutz wurde am häufigsten afghanischen Staatsangehörigen gewährt. Insgesamt erhielten in etwa gleich viele männliche und weibliche Personen Asyl. Unter den subsidiär Schutzberechtigten finden sich hingegen fast doppelt so viele männliche wie weibliche Personen.

Asyl, subsidärer Schutz, humanitärer Aufenthalt nach Herkunft, Geschlecht

Hohe Anerkennungswahrscheinlichkeit bei SyrerInnen und Staatenlosen

Syrische Staatsangehörige erhielten 2017 zu 92 % Asyl. Auch bei Staatenlosen und iranischen AsylwerberInnen bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Flüchtlingsstatus erhielten. Somalische und afghanische wurden zu 49 bzw. 47% anerkannt. Kaum Chancen auf eine Anerkennung als Flüchtling hatten hingegen Personen aus Pakistan, Ukraine oder Nigeria.

Asyl-Anerkennungswahrscheinlichkeit Hauptherkunftsstaaten

Anmerkungen: Bei dieser Statistik ist zu beachten, dass nur Asylentscheidungen, nicht aber die Zuerkennungen von subsidiärem Schutz oder humanitärem Aufenthalt, berücksichtigt sind. Als "Sonstige Entscheidungen" gelten v.a. Verfahrenseinstellungen (etwa weil die betreffende Person nicht mehr auffindbar ist. Zu den negativen Entscheidungen zählen auch Ablehnungnen im Zulassungsverfahren (z.B. wenn ein anderer EU-Mitgliedsstaat für die Prüfung des Asylantrags zuständig ist).

Weniger offene Verfahren beim BFA, mehr bei den Gerichten

Während die Zahl der offenen Asylverfahren beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) 2017 von fast 64.000 zu Jahresanfang auf ca. 32.000 deutlich zurückging, stieg die Zahl der Verfahren, die bei den Gerichten (Bundesverwaltungsgericht) anhängig waren, im Laufe des Jahres von 12.500 auf knapp über 24.000 an. Besonders viele Verfahren sind von afghanischen Staatsangehörigen noch offen.

Offene Asylverfahren

Nur wenige Resettlement-Fälle

Die österreichische Regierung hat sich seit 2013 mit drei humanitären Aufnahmeprogrammen bereit erklärt, insgesamt 1.900 syrische Flüchtlinge aus Erstaufnahmestaaten (z.B. Jordanien) aufzunehmen. 2017 kamen auf diesem Weg 349 Flüchtlinge Personen nach Österreich. Damit wurde nun auch das dritte humanitäre Aufnahmeprogramm abgeschlossen.

Personen, die über Resettlement nach Österreich gekommen sind

Anmerkung: Personen, die über Resettlement-Programme nach Österreich gekommen sind, sind nicht in der Asylantragsstatistik enthalten, da bei ihnen kein Asylverfahren in Österreich durchgeführt wird. Ihre Flüchtlingseigenschaft wurde bereits im Erstaufnahmeland durch den UNHCR festgestellt.

Anmerkungen

Link zu den Datenquellen:

Die Grafiken auf einer A4-Seite:    Asylstatistik 2017 (PDF)

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