Asylstatistik 2018 (1.Quartal)

Mehr Kinder und Jugendliche als Erwachsene unter neuen AsylwerberInnen

Stefan Rabl, 19.4.2018

In den ersten drei Monaten 2018 sind die Asylantragszahlen in Österreich weiter gesunken. Fortgesetzt hat sich ein weiterer Trend: unter den Asylsuchenden befinden sich immer mehr Kinder und Jugendliche. Dies deutet darauf hin, dass derzeit ein nicht unerheblichen Teil der Asylanträge durch den Familiennachzug bedingt ist.

Ein Viertel weniger Anträge als im vorigen Quartal

Von Jänner bis März 2018 wurden in Österreich insgesamt 3.992 Asylanträge gestellt. Gegenüber dem vierten Quartal 2017 ist das ein neuerlicher Rückgang um 25 Prozent. Wenn wir die Asylantragszahlen der letzten drei Monate als Basis für eine Schätzung über die für dieses Jahr zu erwartenden Asylanträge zu Grunde legen, wäre mit etwa 16.000 Asylanträgen bis Jahresende zu rechnen.

Asylanträge in Österreich pro Jahr

Anmerkung: Alle Zahlen beziehen sich auf die gesamten gestellten Asylanträge, unabhängig davon, ob es sich um einen Erst- oder einen Folgeantrag handelt. Bisher waren 2018 86% der Ansuchen Erstanträge, 14% wurden von Personen gestellt, die bereits zuvor einmal in Österreich um Asyl angesucht hatten.

So wenige Anträge wie seit 5 Jahren nicht mehr

Im Februar wurde mit 1.199 Asylansuchen der niedrigste Monatswert seit März 2013 erreicht. Im März wurden zwar insgesamt wieder mehr Anträge gestellt, wenn aber berücksichtigt wird, dass der März drei Tage mehr hat als der Februar, wurden im März pro Tag sogar weniger Anträge gestellt als im Vormonat (43 pro Tag im Februar, 42 im März).

Asylanträge in Österreich pro Monat

Am meisten Asylanträge von SyrerInnen und AfghanInnen

Syrien und Afghanistan sind weiterhin die beiden Hauptherkunftsländer von Asylwerbenden. Der Abstand zu den anderen wichtigen Ländern, aus denen Asylsuchende kommen, hat sich jedoch verringert. Im Vergleich zu 2017 findet sich Georgien neu unter den Top-10-Herkunftsländern. Nicht mehr dabei ist die Ukraine.

Karte Hauptherkunftländer AsylwerberInnen in Österreich

Anmerkung: Das BMI fasst in der Statistik staatenlose Personen und solche mit unbekannter Herkunft zusammen. Der Großteil der unter dieser Kategorie aufscheinenden Menschen ist jedoch staatenlos.

Mehr Asylsuchende aus dem Iran und Georgien

Im Vergleich zum letzten Quartal 2017 sind in den ersten drei Monaten 2018 die Asylanträge aus Syrien deutlich zurückgegangen. Aber auch andere Staaten wie Afghanistan, Russland, Nigeria, der Irak oder Somalia verzeichneten einen Rückgang, Pakistan einen besonders starken. Steigende Asylantragszahlen gab es hingegen von iranischen und georgischen Staatsangehörigen.

Asylanträge Entwicklung Hauptherkunftsländer

Die Mehrheit der neuen AsylwerberInnen ist unter 18 Jahre alt

42 Prozent der Personen, die im Jänner und Februar ein Asylantrag gestellt hatten (bzw. für die durch die Eltern der Antrag gestellt wurde), waren Kinder unter 14 Jahren. Gemeinsam mit Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren bilden Minderjährige mit 51% erstmals eine Mehrheit unter den AsylwerberInnen. Die Anteile von erwachsenen Männern und erwachsenen Frauen sanken gegenüber dem Vorjahr um einen Prozentpunkt auf 32 bzw. 17 Prozent. Junge Männer zwischen von 18 bis 34 Jahre machen nur mehr 23 Prozent aller Asylwerbenden aus, 2016 waren es noch 33 Prozent.

Asylanträge nach Altersgruppen

Anmerkung: Bei den Zahlen zu Alter und Geschlecht, die von Eurostat stammen, sind die die Daten für März 2018 noch nicht verfügbar.

Familiennachzug gewinnt an Bedeutung

Die größte Gruppe nach Herkunft, Geschlecht und Alter bildeten in den ersten beiden Monaten 2018 syrische Mädchen. Dahinter folgen mit afghanischen und syrischen Burschen, syrischen Frauen und afghanischen Mädchen weitere Gruppen, die typischerweise über Familiennachzug nach Österreich kommen (nur bei den afghanischen Burschen kam ein Teil als unbegleitete Minderjährige selbständig nach Österreich). Erst danach komm mit nigerianischen Männer die stärkste Gruppe männlicher erwachsener AsylwerberInnen.

Asylanträge nach Alter, Geschlecht, Herkunft

Anmerkung: Die Daten von Eurostat sind immer auf "5" bzw. "10" auf- oder abgerundet.

Weiterer Rückgang bei unbegleiteten Minderjährigen

Ebenso wie die Gesamtasylantragszahlen sind jene für unbegleitete Minderjährige rückläufig. Sie machen wie im Vorjahr 5,5 Prozent aller Anträge aus. Die beiden einzigen Staaten mit mehr als 10 Asylanträgen von UMF im ersten Quartal 2018 waren Afghanistan und Nigeria.

Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen

Anmerkung: Bei der Einordnung als "unbegleiteter Minderjährige/r" wird vom BMI jenes Alter herangezogen, das zum Zeitpunkt der Auswertung von den nationalen Behörden akzeptiert wird. Berichtigungen aufgrund einer Altersfeststellung sind im Nachhinein möglich.

Bisher weniger Schutzgewährungen als 2017

Die Zahl der positiven Gewährungen von Asyl und subsidiärem Schutz lag in den ersten drei Monaten dieses Jahres unter dem Niveau von 2017. Bisher erhielten etwas mehr als 5.100 Menschen ein zumindest befristetes Aufenthaltsrecht zugesprochen, 3.577 bekamen Asyl. Die Anzahl der rechtskräftig negativen Entscheidung liegt hingegen knapp über dem Durchschnitt des Vorjahres.

Entscheidungen im Asylverfahren 2014-2017

Anmerkung: "Sonstige Entscheidungen" sind v.a. Verfahrenseinstellungen. Unter den negativen Entscheidungen sind auch Entscheidungen zu Asylanträgen enthalten, die wegen Zuständigkeit eines anderen EU-Mitgliedsstaats zurückgewiesen wurden. Diese Personen könnten aber durchaus Gründe für Asyl oder subsidiären Schutz gehabt haben.

Zwei Drittel aller anerkannten Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan

Die meisten Zuerkennungen von Asyl erhielten 2018 bisher SyrerInnen und AfghanInnen. Auf Menschen aus diesen beiden Staaten entfielen zwei Drittel aller positiven Asylbescheide. Die einzigen anderen Gruppen mit einer nennenswerten Zahl von Asylgewährungen waren der iranische, somalische, irakische und russische Staatsangehörige sowie staatenlose Personen. Insgesamt erhielten knapp mehr weibliche als männliche Personen Asyl. Subsidiärer Schutz wurde am häufigsten afghanischen AsylwerberInnen gewährt.

Asyl, subsidärer Schutz, humanitärer Aufenthalt nach Herkunft, Geschlecht

Keine Chancen auf Anerkennung für Asylsuchende aus Georgien

Neun von zehn syrische Asylsuchenden erhielten nach Abschluss ihres Asylverfahrens Asyl in Österreich. Auch bei staatenlosen Personen und iranischen Staatsangehörigen lag die Wahrscheinlichkeit, als Flüchtling anerkannt zu werden, recht hoch. Bei AfghanInnen wurden 47 Prozent der Verfahren mit einem positiven Asylbescheid abgeschlossen. Einem Teil der afghanischen AsylwerberInnen, die kein Asyl erhielten, wurde jedoch subsidiärer Schutz zugesprochen. Kaum Chancen auf einen positiven Asylbescheid gab es für Personen aus Pakistan und Nigeria. Aus Georgien hat 2018 bisher noch keine einzige Person Asyl erhalten. Georgien gilt im Asylverfahren als sicherer Herkunftsstaat.

Asyl-Anerkennungswahrscheinlichkeit Hauptherkunftsstaaten

Anmerkungen: Bei dieser Statistik ist zu beachten, dass nur Asylentscheidungen, nicht aber die Zuerkennungen von subsidiärem Schutz oder humanitärem Aufenthalt, berücksichtigt sind. Als "Sonstige Entscheidungen" gelten v.a. Verfahrenseinstellungen (etwa weil die betreffende Person nicht mehr auffindbar ist. Zu den negativen Entscheidungen zählen auch Ablehnungnen im Zulassungsverfahren (z.B. wenn ein anderer EU-Mitgliedsstaat für die Prüfung des Asylantrags zuständig ist).

Offene Verfahren in 1. Instanz sinkend, in 2. Instanz steigend

Ende März 2018 waren insgesamt noch 51.447 Asylverfahren nicht entschieden, mehr als 22.000 davon von afghanischen Staatsangehörigen. Die Zahl der in der ersten Instanz (beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, BFA) anhängigen Asylanträge sank auf 24.072, jene der in der zweiten Instanz (beim Bundesverwaltungsgericht) stieg auf 27.375. Damit gibt es nun mehr offene Asylverfahren beim Bundesverwaltungsgericht als beim BFA.

Offene Asylverfahren

Resettlement vorerst abgeschlossen

Über Resettlement (direkte Aufnahme von Flüchtlingen aus Erstaufnahmeländern, z.B. Jordanien) kamen 2018 bisher keine Flüchtlinge nach Österreich. Die Regierung hatte sich seit 2013 mit drei humanitären Aufnahmeprogrammen bereit erklärt, insgesamt 1.900 syrische Flüchtlinge aus Erstaufnahmestaaten (z.B. Jordanien) aufzunehmen. Ende 2017 wurde das dritte humanitäre Aufnahmeprogramm beendet.

Anmerkungen

Link zu den Datenquellen:

Ähnliche Artikel: