Asylstatistik Österreich 2020

Asylantragszahlen pro Jahr und Monat

2020 wurden in Österreich insgesamt 14.775 Asylanträge gestellt. Das sind um 15% mehr als im Vorjahr. Auch 2018 wurden weniger Asylanträge gestellt als 2020, im Zeitraum von 2012 bis 2017 hingegen (zum Teil erheblich) mehr. Die höchste Zahl an Schutzansuchen gab es 2015 mit 88.340.

Balkendiagramm: Jährliche Asylanträge in Österreich

Der April und der Mai 2020 waren die beiden Monate mit den wenigsten Asylanträgen seit zumindest 2001 (seit damals liegen monatliche Daten vor). In der zweiten Jahreshälfte stieg die Zahl der Schutzansuchen dann allerdings deutlich an. Im Oktober gab es in Österreich 1.788 Anträge, was den höchsten Wert seit Oktober 2017 darstellte. Zuletzt wurden im Dezember 1.671 Asylansuchen gestellt.

Liniendiagramm: Monatliche Asylanträge in Österreich seit 2001

Von den 14.775 Asylanträgen im Jahr 2020 waren 13.416 (91%) Erstanträge. 1.359 Ansuchen (9%) entfielen auf Personen, die nach einer rechtskräfigen Entscheidung neuerlich einen Asylantrag gestellt haben. Die größte Zahl dieser Mehrfachanträge stammte von Personen aus Afghanistan (310 Mehrfachanträge).

Balkendiagramme: Erst- und Mehrfachasylanträge

Die Asylstatistik des BMI enthält keine Angaben darüber, viele Asylanträge auf Angehörige von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten entfallen, die im Rahmen von Familienzusammenführungen nach Österreich gekommen sind. Aus parlamentarischen Anfragebeantwortungen ist bekannt, dass 2020 1.189 Einreiseanträge für Familienzusammenführung gestellt wurden, nicht jedoch, wie viele Anträge positiv entschieden wurden. 2019 hatte es 1.458 Einreiseanträge gegeben, 1.270 Personen war die Einreise nach Österreich gestattet worden.

Ebenso fehlen in der Asylstatistik Daten über die Anzahl von Asylanträgen, die für in Österreich geborene Kinder von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten gestellt wurden. Damit die Kinder denselben Schutzstatus wie ihre Eltern erhalten, muss zunächst ein Asylantrag gestellt werden, auch wenn die Schutzgewährung der Eltern schon längere Zeit zurückliegt. Eine parlamentarischen Anfragebeantwortung zufolge wurde 2020 3.116 nachgeborenen Kindern Asyl- oder subsidiärer Schutz in Österreich gewährt.

Herkunftsstaaten

Die meisten Asylanträge wurden 2020 von syrischen Staatsangehörigen gestellt. Im Vorjahr bildeten noch Menschen aus Afghanistan die größte Gruppe unter den Asylsuchenden. Im Vergleich zu 2019 sind Marokko, Algerien, Türkei und Staatenlose neu unter den 10 antragsstärksten Herkunftsländern, nicht mehr vertreten sind hingegen Nigeria, Indien, Georgien und Pakistan.

Karte: Herkunftsstaaten von AsylwerberInnen in Österreich2020

Fast drei Viertel aller Schutzansuchen entfielen auf Staatsangehörige asiatischer Staaten. Der Anteil afrikanischer Herkunftsstaaten lag bei 19%, jener europäischer Staaten bei 5%.

Balkendiagramm: Herkunftsstaaten von AsylwerberInnen in Österreich2020

Im BFA-Verfahrensgesetz bzw. in der Herkunftsstaaten-Verordnung sind sogenannte "sichere Herkunftsstaaten" festgelegt, für deren Staatsangehörige ein beschleunigtes Asylverfahren vorgesehen ist. 2020 wurden 1.499 erstmalige Asylsuchen (11% aller Erstanträge) von Personen aus solchen Staaten eingereicht. Die meisten davon stammten aus den drei Maghreb-Staaten Marokko, Algerien und Tunesien. Nur ein kleiner Teil der Schutzansuchen (317 Erstanträge, 2%) wurde von Menschen aus Staaten gestellt, aus denen eine visumsfreie Einreise nach Österreich (bzw. in den Schengenraum) möglich ist (z.B. aus Georgien oder der Ukraine).

Säulendiagramm: Asylanträge aus sicheren Herkunftsstaaten und Staaten mit visumsfreier Einreise 2020

Den stärksten Zuwachs an Asylanträgen im Vergleich zum Vorjahr gab es bei SyrerInnen. Aber auch von Staatsangehörigen aller nordafrikanischen Staaten, insbesondere Marokkos, wurden mehr Asylansuchen gestellt als 2019. Erhebliche Rückgänge der Antragsstellungen waren bei georgischen, russischen und iranischen Staatsangehörigen zu beobachten.

Liniendiagramme: Entwicklung der monatlichen Asylanträge für die Hauptherkunftsstaaten

Bereits Ende 2019 begannen die Asylantragszahlen von Personen aus Syrien wieder deutlich zu steigen. Nach einem vorübergehenden Rückgang von Februar bis April 2020 setzte sich danach die Zunahme der Schutzansuchen bis Jahresende kontinuierlich fort. Im Dezember 2020 wurde fast die Hälfte (48%) aller Asylanträge in Österreich von Personen aus Syrien gestellt.

Liniendiagramme: Entwicklung der monatlichen Asylanträge für die Hauptherkunftsstaaten

Unbegleitete minderjährige Asylsuchende

Der Anteil von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) unter allen AsylwerberInnen war 2020 mit 9,3% sehr hoch (2019 lag der Anteil bei 6,7%). Von den insgesamt 1.370 UMF waren 109 unter 14 Jahre alt. 60% der unbegleiteten Minderjährigen kamen aus Afghanistan. Angaben zum Geschlecht der UMF fehlen in der Asylstatistik des BMI, einer parlamentarischen Anfragebeantwortung zufolge waren jedoch der Großteil (95%) der UMF männlich.

Hinsichtlich der hohen Zahl an Asylanträgen von unbegleiteten Minderjährigen ist jedoch zu erwähnen, dass 2020 nur 381 UMF zum Asylverfahren in Österreich zugelassen wurden. Viele Verfahren (insgesamt 684) waren eingestellt worden, weil die Personen nicht mehr auffindbar waren bzw. in andere Staaten weitergereist sind.

Balkendiagramme: Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen und deren Herkunftsstaaten

Die wenigsten Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen wurden im April 2020 (6 Anträge) gestellt, die meisten mit 262 im Oktober.

Linien- und Balkendiagramm: Monatliche Asylantragszahlen von UMF in Österreich

Asylsuchende nach Geschlecht und Altersgruppe

2020 waren 23% der Asylsuchenden in Österreich weiblich. 2019 hatten Asylwerberinnen allerdings noch einen Anteil von 34%, 2018 sogar von 40% an den Gesamtasylanträgen.

Balken- und Liniediagramm: Asylanträge nach Geschlecht

Während von 2017 bis 2019 das Verhältnis von minderjährigen zu erwachsenen AsylwerberInnen relativ ausgeglichen war, waren 2020 Erwachsene wieder deutlich in der Mehrheit: 61% der Asylanträge wurden von Erwachsenen gestellt, 39% von bzw. für Minderjährige.

Balkendiagramm: Asylanträge nach Erwachsenen und Minderjährigen

Anmerkung: Die hier verwendeten Daten von Eurostat weichen für 2020 von jenen in der Jahresstatistik des BMI ab (sie entsprechen den vorläufigen Zahlen aus der BMI-Monatsstatistik für den Dezember 2020). Zu beachten ist, dass auch für in Österreich geborene Kinder von Asyl- oder subsidiär Schutzberechtigten zunächst ein Asylantrag gestellt werden muss, bevor dann vom BFA derselbe Schutzstatus wie bei den Eltern erteilt werden kann.

Der Anteil männlicher Erwachsener betrug 2020 52%, weibliche Erwachsene machten 9% aller Asylsuchenden aus. 25% waren männliche, 14% weibliche Minderjährige. Zum Vergleich: 2018 waren 34% männlich und erwachsen, 17% weiblich erwachsen, 26% männlich minderjährig und 23% weiblich minderjährig.

Grafik: Asylanträge nach Alter und Geschlecht2020

Anmerkung: Die hier verwendeten Daten von Eurostat weichen für 2020 von jenen in der Jahresstatistik des BMI ab (sie entsprechen den vorläufigen Zahlen aus der BMI-Monatsstatistik für den Dezember 2020).

Bei den meisten Hauptherkunftsstaaten bildeten männliche Erwachsene die größte Gruppe, insbesondere bei Asylsuchenden aus Marokko und Algerien. Bei AsylwerberInnen aus Somalia und Russland hingegen waren ca. zwei Drittel Kinder und Jugendliche. Afghanistan hatte durch die unbegleiteten Minderjährigen eine hohe Zahl an männlichen Minderjährigen. Den höchsten Anteil an weiblichen Erwachsenen gab es beim Iran. Verändert hat sich die Zusammensetzung von syrischen Schutzsuchenden: Der Anteil männlicher Erwachsener stieg von nur 11% 2018 auf 57% 2020 an, der Anteil von Kindern und Jugendlichen hingegen sank von 71% (2018) auf 37% (2020).

Balkendiagramm: Asylanträge nach Herkunft, Alter und Geschlecht2020

Anmerkung: Die hier verwendeten Daten von Eurostat weichen für 2020 von jenen in der Jahresstatistik des BMI ab (sie entsprechen den vorläufigen Zahlen aus der BMI-Monatsstatistik für den Dezember 2020).

Entscheidungen in Asylverfahren

2020 erhielten 8.069 Menschen in Österreich Asyl (davon waren 4.847 männliche und 3.222 weibliche Personen), 2.524 subsidiären Schutz (1.543 männlich, 981 weiblich) und 2.621 einen Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen ("humanitäre Aufenthaltstitel"; 1.717 männlich, 904 weiblich). Insgesamt erhielten um 9% weniger Personen einen Schutzstatus als 2019.

Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung (die allerdings noch auf vorläufigen Zahlen für 2020 basierte) entfielen von 12.633 Schutzgewährungen 5.730 auf Minderjährige: 4.089 erhielten Asyl, 987 subsidiären Schutz und 654 einen Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen. Bei 3.220 von ihnen handelte es sich um in Österreich geborene Kinder von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten (2.756 Asylgewährungen, 360 subsidiärer Schutz, 104 berücksichtigungswürdige Gründe). Nur wenige Schutzgewährungen gab es für unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen: 93 Mal wurde Asyl zuerkannt, 91 Mal subsidiärer Schutz und in 2 Fällen ein "humanitärer" Aufenthalt.

Balkendiagramme: Asylentscheidungen seit 2014

Anmerkung: Bei den Zahlen zu den erteilten humanitären Aufenthaltstiteln sind auch Personen enthalten, die keinen Asylantrag gestellt haben. In der Asylstatistik des BMI wird erst seit diesem Jahr zwischen humanitären Aufenthaltstiteln, die im Zuge des Asylverfahrens, und solchen, die aus anderen Gründen erteilt wurden, unterschieden (2.185 humanitäre Aufenthaltstitel wurden heuer an Personen mit einem Asylantrag vergeben, 436 an solche ohne Asylansuchen).

70 Prozent der positiven Asylbescheide gingen 2020 an afghanische und syrische Staatsangehörige. Andere Herkunftsstaaten mit mehr als 100 Asylgewährungen waren der Iran, Somalia, Irak, Russland, die Türkei und Staatenlose. Insgesamt stammten die Personen, denen 2020 der Asylstatus zuerkannt wurde, aus 49 unterschiedlichen Staaten. Subsidiärer Schutz wurde am häufigsten an Menschen aus Afghanistan vergeben.

Balkendiagramm: Asylentscheidungen nach Herkunftsländer2020

Sonstiges

Zu Jahresende 2020 waren 20.739 Asylverfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen. Die Zahl der offenen Verfahren in 2. Instanz nahm kontinuierlich ab, jene in 1. Instanz war in den letzten Monaten allerdings wieder im Steigen: Ende Juni waren 3.799 Verfahren beim BFA offen, Ende Dezember waren es bereits 5.853.

Linien- und Balkendiagramm: Zahl der offenen Asylverfahren und Herkunftsstaaten von Personen mit offenem Asylverfahren

Anmerkung: Bei den offenen Verfahren in 1. Instanz sind auch jene Verfahren inkludiert, die zwar bereits entschieden, aber noch nicht rechtskräftig sind.

Über Resettlement-Programme wurden in Österreich seit 2018 keine Flüchtlinge aufgenommen.

Balkendiagramm: Resettlement von Flüchtlingen nach Österreich

Anmerkungen

Die im Text und in den Grafiken verwendeten Zahlen stammen aus den Monats- und Jahresstatistiken des BMI und von Eurostat und wurden am 28.3.2021 abgerufen.

Links zu den Datenquellen:

Parlamentarische Anfragebeantwortungen: