Asylstatistiken EU-/EFTA-Staaten & UK 2020

Asylantragszahlen pro Jahr, Quartal und Monat

Im ersten Halbjahr 2020 wurden in den 27 EU-Staaten, dem Vereinigten Königreich und den vier EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein) zusammen insgesamt 239.540 Asylanträge gestellt, davon 217.620 erstmalige Anträge auf internationalen Schutz.

Grafik: Gesamtzahl Asylanträge in der EU (inkl. UK) seit 2000,Grafik: Gesamtzahl Asylanträge in EU-, EFTA-Staaten und UK seit 2008,Grafik: Erstasylanträge in der EU (inkl. UK) seit 2014,Grafik: Erstasylanträge in EU-, EFTA-Staaten und UK seit 2014

Die Covid-19-Pandemie und die in diesem Zusammenhang von den Staaten erlassenen Maßnahmen (Einreisebeschränkungen, verstärkte Grenzkontrollen, eingeschränkte Arbeit von Behörden) wirkten sich auch auf die Zahl der Asylanträge aus. Lag die Zahl der Erstanträge im Jänner und Februar noch bei über 60.000, sank sie im März auf 35.140 ab und erreichte im April einen Tiefstwert von 9.505 Asylansuchen. Mit der Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie stiegen die Asylantragszahlen wieder an. Im Juni wurden in den EU-, EFTA-Staaten und dem Vereinigten Königreich insgesamt 30.360 erstmalige Anträge auf internationalen Schutz registriert.

Grafik: Erstasylantragszahlen pro Monat in EU-, EFTA-Staaten und UK seit 2014,Grafik: Erstasylantragszahlen pro Quartal in EU-, EFTA-Staaten und UK seit 2014

Asylantragszahlen in einzelnen Staaten

Die meisten Anträge auf internationalen Schutz wurden im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland, Spanien und Frankreich gestellt.

Grafik: Asylantragszahlen in den einzelnen EU/EFTA-Staaten und UK 2020

Berücksichtigt man die Bevölkerungsgröße, ist Zypern weiterhin mit Abstand das Land mit der höchsten Asylantragszahl pro 100.000 EinwohnerInnen. Auch Malta und Griechenland haben im Vergleich zur EinwohnerInnenzahl überdurchschnittlich viele AsylwerberInnen. Estland, Ungarn, die Slowakei und Polen waren die Staaten mit den wenigsten Anträgen bezogen auf die Bevölkungsgröße.

Grafik: Asylantragszahlen pro Bevölkerung in den einzelnen EU/EFTA-Staaten und UK 2020

In allen Staaten ging die Zahl der Asylanträge ab März stark zurück. Während es jedoch in einigen Staaten (wie z.B. Deutschland, Vereinigtes Königreich oder Schweden) "nur" zu einer deutlichen Reduktion kam, wurden in anderen Staaten (Spanien, Frankreich, Griechenland, Italien) zeitweise kaum mehr Asylanträge registriert. Im Juni gab es in fast allen Staaten wieder einen Anstieg der Asylanträge, die Zahlen blieben aber unter jenen vom Jahresbeginn.

Grafik: Entwicklung der monatlichen Asylantragszahlen in einzelnen EU-, EFTA- Staaten und UK in den letzten Monaten

Herkunftsstaaten

Hauptherkunftsländer von AsylwerberInnen waren in den ersten sechs Monaten 2020 wie auch schon im Vorjahr Syrien, Afghanistan, Venezuela und Kolumbien.

Grafik: Herkunftsstaaten von AsylwerberInnen in in EU-, EFTA-Staaten und UK 2020
Karte: Hauptherkunftsstaaten von AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK 2020
Grafik: Entwicklung der monatlichen Asylantragszahlen in EU-, EFTA-Staaten und UK für die wichtigsten Herkunftsstaaten

SyrerInnen bildeten in diesem Jahr bisher in Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Zypern die größte Gruppe unter den Asylsuchenden. In Spanien kam ein großer Teil der Asylanträge von Menschen aus Venezuela und Kolumbien. In Frankreich und Griechenland wurden die meisten Anträge von AfghanInnen gestellt. Im Vereinigten Königreich war der Iran wichtigstes Herkunftsland, in Italien Pakistan und in der Schweiz Eritrea.

Grafik: Hauptherkunftsstaaten von AsylwerberInnen in einzelnen EU-, EFTA-Staaten und UK

Deutschland war für Asylsuchende aus Syrien, Irak, Türkei, Iran, Nigeria, Eritrea und Somalia der wichtigste Zielstaat. Personen aus Venezuela oder Kolumbien suchten fast ausschließlich in Spanien um Asyl an. Staatsangehörige aus Afghanistan stellten am häufigsten Asylanträge in Griechenland, jene aus Pakistan in Italien und jene aus Bangladesch in Frankreich.

Grafik: Hauptzielstaaten für Asylsuchende einzelner Herkunftsstaaten in EU-, EFTA-Staaten und UK

AsylwerberInnen nach Geschlecht und Alter

Insgesamt waren in diesem Jahr bisher 38% aller AsylwerberInnen weiblich. Von den Aufnahmestaaten hatte Spanien den höchsten Anteil an weiblichen AsylwerberInnen (47%), den geringsten Slowenien (4%). Bezüglich der Herkunftsländer war Côte d'Ivoire der Staat mit dem höchsten Prozentsatz an weiblichen Schutzsuchenden (53%). Bei AsylwerberInnen aus den lateinamerikanischen Staaten war das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen. Asylsuchende aus Bangladesch oder Pakistan hingegen waren zu 92% bzw. 90% männlich.

Grafik: AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK nach Geschlecht und Antragsstaat,Grafik: AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK nach Geschlecht und Herkunftsstaat

Etwa drei von zehn Personen, die 2020 einen Asylantrag gestellt haben (bzw. für die ein Antrag gestellt wurde), waren minderjährig. Zwischen den Staaten gibt es jedoch große Unterschiede: in Deutschland und der Schweiz waren knapp über die Hälfte der AsylwerberInnen unter 18 Jahre alt, in Zypern oder Malta hingegen nur 7 bzw. 10 Prozent. Von den Hauptherkunftsstaaten war der Anteil von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre bei eritreischen und syrischen Staatsangehörigen am höchsten, bei jenen aus Bangladesch und Indien am geringsten.

Grafik: AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK nach Alter und Antragsstaat,Grafik: AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK nach Alter und Herkunftsstaat

Anmerkungen

Der Begriff "erstmaliger Asylantrag" bezieht sich darauf, dass eine Person im jeweiligen Staat zum ersten Mal um Asyl angesucht hat. Ob von dieser Person bereits in einem anderem Staat ein Asylantrag gestellt wurde, ist hierbei nicht berücksichtigt. Daher ist die Anzahl der summierten Erstasylanträge von mehreren Staaten (bzw. der EU-, EFTA-Staaten und UK insgesamt) höher als die tatsächliche Zahl der Personen, die um Schutz angesucht haben.

In den Asylstatistiken von Eurostat sind die angegebenen Werte auf Vielfache von 5 gerundet. Da für das aktuelle Jahr keine Gesamtzahlen vorliegen, musste für manche Statistiken mit der Summe der gerundeten Monatswerte gerechnet werden, wodurch sich für auf diese Weise berechnete Halbjahreszahlen eine rundungsbedingte mögliche Abweichung von +/-12 vom tatsächlichen Wert ergibt. Bei der Berechnung der Asylanträge pro Bevölkerungsgröße werden die Ungenauigkeit bei Staaten mit einer kleinen Bevölkerungszahl verstärkt (Liechtenstein wurde daher nicht berücksichtigt, bei Island beträgt die Abweichung für das Halbjahr +/-3, bei Luxemburg und Malta +/-2). Das Verhältnis von männlichen und weiblichen bzw. von erwachsenen und minderjährigen AsylwerberInnen wird umso ungenauer, je geringer die Asylantragszahl ist: bei 500 Anträgen kann sich eine Abweichung von 2,5 Prozentpunkten ergeben, bei 1200 von einem, ab 2.400 sind es weniger als 0,5.

AsylwerberInnen aus Palästina werden in einigen Staaten extra ausgewiesen, in anderen jedoch werden sie (zusammen mit AsylwerberInnen anderer Herkunft) unter Kategorien wie "staatenlos" oder "unbekannt" geführt.

Die in den Grafiken verwendeten Daten wurden am 16.9.2020 von der Eurostat-Website abgerufen.

Links zu den Datenquellen: