Asylstatistiken EU-/EFTA-Staaten & UK 2020

Asylantragszahlen pro Jahr, Quartal und Monat

In den ersten neun Monaten 2020 wurden in den EU-Staaten, dem Vereinigten Königreich und den vier EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein) zusammen insgesamt 380.440 Asylanträge (Erst- und Mehrfachanträge) gestellt, davon 345.975 in den aktuellen 27 EU-Staaten.

Säulendiagramm: Asylanträge gesamt in der EU+ seit 2008

Die Zahl der erstmaligen Asylanträge lag bis Ende September 2020 bei 344.100 für die EU-, EFTA-Staaten und das Vereinigte Königreich zusammen bzw. bei 309.725 nur für die EU-Staaten.

Säulendiagramm: Erstasylanträge in der EU+ seit 2014

Die Covid-19-Pandemie und die in diesem Zusammenhang von den Staaten erlassenen Maßnahmen (Einreisebeschränkungen, verstärkte Grenzkontrollen, eingeschränkte Arbeit von Behörden) wirkten sich auch auf die Zahl der Asylanträge aus. Lag die Zahl der Erstanträge im Jänner und Februar noch bei über 60.000, sank sie im März auf 35.090 ab und erreichte im April einen Tiefstwert von 9.495 Asylansuchen. Mit der Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie stiegen die Asylantragszahlen wieder an. Im September 2020 wurden in den EU-, EFTA-Staaten und dem Vereinigten Königreich insgesamt 42.930 erstmalige Anträge auf internationalen Schutz registriert.

Liniendiagramm: Erstasylantragszahlen pro Monat in EU-, EFTA-Staaten und UK seit 2018

Asylantragszahlen in einzelnen Staaten

Die meisten Anträge auf internationalen Schutz wurden heuer bis September in Deutschland, Spanien und Frankreich gestellt.

Grafik: Asylantragszahlen in den einzelnen EU/EFTA-Staaten und UK 2020

Berücksichtigt man die Bevölkerungsgröße, ist Zypern weiterhin mit Abstand das Land mit der höchsten Asylantragszahl pro 100.000 EinwohnerInnen. Auch Malta und Griechenland haben im Vergleich zur EinwohnerInnenzahl überdurchschnittlich viele AsylwerberInnen. Ungarn, Estland, die Slowakei und Polen waren die Staaten mit den wenigsten Anträgen bezogen auf die Bevölkerungsgröße.

Grafik: Asylantragszahlen pro Bevölkerung in den einzelnen EU/EFTA-Staaten und UK 2020

Alle Staaten verzeichneten im April und Mai 2020 nur eine sehr geringe Zahl an Asylansuchen. Während es jedoch in einigen Staaten (wie z.B. Deutschland, Vereinigtes Königreich oder Schweden) "nur" zu einer deutlichen Reduktion kam, wurden in anderen Staaten (Spanien, Frankreich, Griechenland, Italien) zeitweise kaum mehr Asylanträge registriert. Ab Juni gab es überall wieder einen Anstieg der Asylanträge, die Zahlen blieben aber meist unter jenen vom Jahresbeginn. In Griechenland sank die Zahl der Schutzansuchen im August und September allerdings erneut deutlich ab.

Grafik: Entwicklung der monatlichen Asylantragszahlen in einzelnen EU-, EFTA- Staaten und UK in den letzten Monaten

Herkunftsstaaten

Hauptherkunftsländer von AsylwerberInnen waren bis Ende September 2020 wie auch schon im Vorjahr Syrien, Afghanistan, Venezuela und Kolumbien.

Grafik: Herkunftsstaaten von AsylwerberInnen in in EU-, EFTA-Staaten und UK 2020
Karte: Hauptherkunftsstaaten von AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK 2020

Die Asylantragszahlen aus allen Hauptherkunftsstaaten gingen in den Monaten April und Mai 2020 stark zurück. Insbesondere aus Venezuela und Kolumbien wurden in diesen beiden Monaten nur ganz wenige Schutzansuchen gestellt.

Grafik: Entwicklung der monatlichen Asylantragszahlen in EU-, EFTA-Staaten und UK für die wichtigsten Herkunftsstaaten

SyrerInnen bildeten in diesem Jahr bisher in Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Österreich und Zypern die größte Gruppe unter den Asylsuchenden. In Spanien kam ein großer Teil der Asylanträge von Menschen aus Venezuela und Kolumbien. In Frankreich, Griechenland und Belgien wurden die meisten Anträge von AfghanInnen gestellt. Im Vereinigten Königreich war der Iran wichtigstes Herkunftsland, in Italien Pakistan und in der Schweiz Eritrea.

Grafik: Hauptherkunftsstaaten von AsylwerberInnen in einzelnen EU-, EFTA-Staaten und UK

Deutschland war für Asylsuchende aus Syrien, Irak, Türkei, Eritrea, Nigeria und Somalia der wichtigste Zielstaat. Personen aus Venezuela oder Kolumbien suchten fast ausschließlich in Spanien um Asyl an. Staatsangehörige aus Afghanistan stellten am häufigsten Asylanträge in Griechenland, jene aus Pakistan in Italien, IranerInnen im Vereinigten Königreich und Menschen aus Bangladesch in Frankreich.

Grafik: Hauptzielstaaten für Asylsuchende einzelner Herkunftsstaaten in EU-, EFTA-Staaten und UK

AsylwerberInnen nach Geschlecht und Alter

Insgesamt waren 2020 bisher 37 Prozent aller AsylwerberInnen weiblich. Den höchsten Anteil weiblicher Personen im Zeitraum von 2008 bis 2020 gab es im Vorjahr mit 38 Prozent, den geringsten 2015 mit 27.

Grafik: Anteil männlicher/weiblicher AsylwerberInnen

Von den Aufnahmestaaten hatte Spanien heuer den höchsten Anteil an weiblichen AsylwerberInnen (47%), den geringsten Slowenien (4%). Bezüglich der Herkunftsländer war Côte d'Ivoire der Staat mit dem höchsten Prozentsatz an weiblichen Schutzsuchenden (54%). Bei AsylwerberInnen aus den meisten lateinamerikanischen Staaten war das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen. Asylsuchende aus Bangladesch oder Pakistan hingegen waren zu 93% bzw. 92% männlich.

Grafik: AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK nach Geschlecht und Antragsstaat

Etwa drei von zehn Personen, die 2020 einen Asylantrag gestellt haben (bzw. für die ein Antrag gestellt wurde), waren minderjährig.

Grafik: Anteil minderjähriger/erwachsener AsylwerberInnen

Zwischen den Staaten gibt es jedoch große Unterschiede: in Deutschland waren 55 Prozent der AsylwerberInnen unter 18 Jahre alt, in Zypern oder Malta hingegen nur 8. Von den Hauptherkunftsstaaten war der Anteil von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre bei eritreischen, syrischen und russischen Staatsangehörigen am höchsten, bei jenen aus Bangladesch und Indien am geringsten.

Grafik: AsylwerberInnen in EU-, EFTA-Staaten und UK nach Alter und Antragsstaat

Anmerkungen

Der Begriff "erstmaliger Asylantrag" bezieht sich darauf, dass eine Person im jeweiligen Staat zum ersten Mal um Asyl angesucht hat. Ob von dieser Person bereits in einem anderem Staat ein Asylantrag gestellt wurde, ist hierbei nicht berücksichtigt. Daher ist die Anzahl der summierten Erstasylanträge von mehreren Staaten (bzw. der EU-, EFTA-Staaten und UK insgesamt) höher als die tatsächliche Zahl der Personen, die um Schutz angesucht haben.

In den Asylstatistiken von Eurostat sind die angegebenen Werte auf Vielfache von 5 gerundet. Da für das aktuelle Jahr keine Gesamtzahlen vorliegen, musste für manche Statistiken mit der Summe der gerundeten Monatswerte gerechnet werden, wodurch sich für auf diese Weise berechnete Zahlen eine rundungsbedingte mögliche Abweichung von +/-18 vom tatsächlichen Wert ergibt. Bei der Berechnung der Asylanträge pro Bevölkerungsgröße werden die Ungenauigkeit bei Staaten mit einer kleinen Bevölkerungszahl verstärkt: Liechtenstein wurde daher nicht berücksichtigt, bei Island beträgt die mögliche Abweichung für den Zeitraum bis September +/-5, bei Malta +/-4, Luxemburg +/-3 und Zypern +/-2 (bei allen anderen Staaten max. +/-1). Das Verhältnis von männlichen und weiblichen bzw. von erwachsenen und minderjährigen AsylwerberInnen wird umso ungenauer, je geringer die Asylantragszahl ist: bei 900 Anträgen kann sich eine Abweichung von 2 Prozentpunkten ergeben, bei 1.800 von einem, ab 3.600 sind es weniger als 0,5.

AsylwerberInnen aus Palästina werden in einigen Staaten extra ausgewiesen, in anderen jedoch werden sie (zusammen mit AsylwerberInnen anderer Herkunft) unter Kategorien wie "staatenlos" oder "unbekannt" geführt.

Die in den Grafiken verwendeten Daten wurden am 8.12.2020 von der Eurostat-Website abgerufen.

Links zu den Datenquellen: