Grundversorgung in Österreich - Statistiken

Zahl der Personen mit Grundversorgung

Durch die Grundversorgung wird in Österreich seit 2004 hilfs- und schutzbedürftigen Fremden eine Basisversorgung gewährt. Von 2005 bis 2014 umfasste der Kreis der Personen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt Leistungen aus der Grundversorgung erhielten, stets zwischen 18.000 und 30.000 Menschen. Ab der zweiten Jahreshälfte stieg die Zahl aber immer weiter an und erreichte im Februar 2016 einen Wert von über 86.000, bevor dann wieder ein Rückgang einsetzte. Ende März 2021 erhielten österreichweit 26.362 Menschen Leistungen aus der Grundversorgung. Das ist die niedrigste Zahl seit Herbst 2014.

Österreich: GrundversorgungsbezieherInnen seit 2004
alle Bundesländer: GrundversorgungsbezieherInnen seit 2014

Die Zahl der Personen mit Grundversorgung wird maßgeblich durch die Anzahl der offenen Asylverfahren bestimmt. Obwohl die Asylanträge nach dem Höchstwert im Jahr 2015 bereits 2016 wieder deutlich zu sinken begannen, blieb die Zahl der GrundversorgungsbezieherInnen zunächst weiterhin hoch, weil sich durch die Überlastung der Asylbehörden ein großer Rückstau an noch nicht abgeschlossenen Asylverfahren angesammelt hatte.

Grafik: Entwicklung der Asylanträge, der offenen Asylverfahren und der Zahl der Personen mit Grundversorgung

Verteilung auf die Bundesländer

Von den insgesamt 26.362 Personen, die am zum Stichtag 24.3.2021 Leistungen aus der Grundversorgung erhielten, wohnten 10.812 (41%) in Wien.

Balkendiagramm: Zahl der Personen mit Grundversorgung in den Bundesländern im März 2021

Die in der Grundversorgungsvereinbarung vorgesehene gleichmäßige Verteilung der grundversorgten Personen auf die Bundesländer (unter Berücksichtigung der Bevölkerungsgröße) wurde nur im Herbst 2015 annähernd erreicht. Ansonsten hatte Wien stets wesentlich mehr, die restlichen Bundesländer, von wenigen Ausnahmen abgesehen, deutlich weniger GrundversorgungsbezieherInnen wie durch die Quote vorgesehen. Vor 2015 war der Grund vor allem der Mangel an Unterkunftsplätzen in den übrigen Bundesländern, derzeit ist es der hohe Anteil von subsidiär Schutzberechtigten Wien (diese können sich im Gegensatz zu AsylwerberInnen ihren Wohnort selbst aussuchen). Im März 2021 hatte Wien eine Quotenübererfüllung von 91% zu verzeichnen, während alle anderen Bundesländer um mindestens 11% unter der Quote lagen, Niederösterreich sogar um 39%.

Grafik: Entwicklung der Quotenerfüllung im Rahmen der Grundversorgung in den einzelnen Bundesländern seit 2012

Zielgruppen

Im März 2021 waren 51% der GrundversorgungsbezieherInnen AsylwerberInnen, 29% subsidiär Schutzberechtigte, 6% Asylberechtigte und 14% Menschen mit einem sonstigen aufenthaltsrechtlichen Status (z.B. Personen, die aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen nicht abschiebbar sind, in Wien auch Menschen mit humanitärem Aufenthaltstitel). Zu Jahresbeginn 2017 lag die Zahl der AsylwerberInnen noch bei über 62.000, das waren 79% der Personen, die damals Leistungen aus der Grundversorgung erhielten.

Liniendiagramm: Entwicklung der Personen mit Grundversorgung nach Zielgruppe

Während es bei AsylwerberInnen eine halbwegs ausgeglichene Verteilung auf die Bundesländer (unter Berücksichtigung der Bevölkerungsgröße) gibt, ist bei subsidiär Schutzberechtigen, Asylberechtigten und sonstigen Personen mit Grundversorgung eine hohe Konzentration auf Wien festzustellen.

Balkendiagramme: Verteilung der Personen mit Grundversorgung nach Zielgruppe auf die einzelnen Bundesländer

Für die hohe Konzentration von subsidiär Schutzberechtigten auf Wien wird manchmal angeführt, dass Wien mittlerweile das einzige Bundesland ist, das subsidiär Schutzberechtigten Ergänzungszahlungen auf den vollen Betrag der Mindestsicherung gewährt. Allerdings lebten bereits 2014, als es beim Zugang zur Mindestsicherung nur in Salzburg, im Burgenland und in der Steiermark Einschränkungen für subsidiär Schutzberechtigte gab, ein ähnlich hoher Prozentsatz (69%, derzeit sind es 71%) in Wien.

Liniendiagramme: Zahl der subsidiär Schutzberechtigten mit Grundversorgung in Wien und Anteil Wiens an allen subsidiär Schutzberechtigten seit 2014

Personen nach Herkunft und Geschlecht

Die meisten AsylwerberInnen und subsidiär Schutzberechtigten mit Grundversorgung waren im März 2021 afghanische Staatsangehörige.

Balkendiagramme: Herkunft von Asylsuchenden und subsidiär Schutzberechtigten mit Grundversorgung im März 2021

Österreichweit waren zuletzt drei Viertel der AsylwerberInnen mit Grundversorgung männlich, in den Bundesländer zwischen 66% in Wien und 82% in Kärnten. Bei subsidiär Schutzberechtigen war der Anteil weiblicher Personen deutlich höher (44% für ganz Österreich, 48% in Vorarlberg).

Grafik: Anteil von weiblichen und männlichen Personen nach Zielgruppe und Bundesland im März 2021

Unterbringungsformen

Im Rahmen der Grundversorgung sind zwei Unterbringungsformen vorgesehen: die organisierte und die private Unterbringung. Bei der organisierten Unterbringung wird ein Wohnplatz in einem vom Bund oder Land zur Verfügung gestellten Quartier zugewiesen. Bei der privaten Unterbringung sucht sich die Person selbst eine Unterkunft und erhält über die Grundversorgung eine finanzielle Mietunterstützung. Die Möglichkeit zur privaten Unterbringung kann allerdings durch die Bundesländer eingeschränkt werden (insbesondere bei AsylwerberInnen).

Zu Jahresende 2020 lebten insgesamt 14.549 Personen in organisierten Unterkünften, 12.110 in privaten. AsylwerberInnen bildeten die größte Gruppe in den organisierten Quartieren, in privaten Unterkünften waren es subsidiär Schutzberechtigte.

Balkendigramme: Personen nach Zielgruppe in organisierter und privater Unterbringung

Die meisten in organisierten Quartieren untergebrachten AsylwerberInnen gab es im März 2021 nicht in Wien, sondern in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark. Von den privat wohnenden subsidiär Schutzberechtigten hingegen entfielen 82% auf die Bundeshauptstadt.

Balkendiagramme: Personen mit Grundversorgung nach Unterbringungsform in den Bundesländern im März 2021

Österreichweit waren drei Viertel der AsylwerberInnen waren in organisierten Quartieren untergebracht. Zwischen den Bundesländern gab es jedoch große Unterschiede: im Burgenland und in Kärnten wohnten nur 3% der AsylwerberInnen in einer privaten Unterkunft, in Wien waren es hingegen fast die Hälfte. Subsidiär Schutzberechtigte lebten großteils (zu 78%) privat, wobei die Bandbreite bei den Bundesländern von 15% im Burgenland bis 91% in Wien reichte. Weibliche Personen hatten sowohl bei AsylwerberInnen wie auch subsidiär Schutzberechtigten ihren Wohnplatz häufiger in privaten Unterkünften als männliche.

Anteil der in organisierten und privaten Unterkünften untergebrachten Asylsuchenden und subsidiär Schutzberechtigten in den Bundesländern und nach Geschlecht

Anmerkungen

Der Großteil der hier verwendeten Daten wurde verschiedenen parlamentarischen Anfragebeantwortungen entnommen. Die letzte davon stammt vom Mai 2021 und enthält Daten bis März dieses Jahres. Fehlende Daten wurden durch Zahlenmaterial aus verschiedenen Berichten (Koppenberg 2014, AIDA 2018 und 2019) ergänzt.

Links zu den Datenquellen:

Links zu verschiedenen Parlamentarischen Anfragenbeantwortungen für die Jahre vor 2019 finden Sie hier: