Resettlement (über UNHCR)

Vorbemerkungen

Unter „Resettlement“ versteht man die dauerhafte Neuansiedlung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge in einem Drittstaat, der ihnen vollen Flüchtlingsschutz gewährt und die Möglichkeit zur Integration im Land bietet.

Alle in den folgenden Grafiken angebenen Zahlen beziehen sich nur auf Personen, die über UNHCR umgesiedelt wurden, und die auch bereits tatsächlich im Aufnahmestaat angekommen sind. Flüchtlinge, die über andere staatliche oder private Resettlementprogramme aufgenommen wurden, sind nicht enthalten (insbesondere Kanada und Australien verfügen über Aufnahmeprogramme, an deren Abwicklung UNHCR nicht beteiligt ist).

Resettlement erfolgt nicht direkt aus dem Herkunftsland, sondern über einen Erstaufnahmestaat, in dem die Flüchtlinge zunächst Schutz gefunden haben. Meist sind dies Nachbarstaaten von Konfliktregionen. Hier werden die betreffenden Personen von UNHCR ausgewählt und einem Aufnahmestaat vorgeschlagen. Die endgültige Entscheidung, ob es zu einem Resettlement kommt, trifft (oft nach weiteren Prüfungen) der jeweilige Aufnahmestaat.

Umgesiedelte Personen gesamt

2020 wurden bis Ende Oktober lediglich 17.628 Flüchtlinge über UNHCR in verschiedene Aufnahmestaaten umgesiedelt. Es steht zu befürchten, dass 2020 das Jahr mit den wenigsten Resettlement-Aufnahmen seit 2003 wird (in der UNHCR-Datenbank sind Daten erst ab diesem Zeitpunkt verfügbar). Die meisten Flüchtlingsneuansiedelungen gab es mit mehr als 126.000 im Jahr 2016.

Grafik: Über Resettlement pro Jahr umgesiedelte Personen seit 2003

Bereits zu Jahresbeginn lag die Zahl der Resettlement-Aufnahmen deutlich unter dem Monatsdurchschnitt des Vorjahres. Durch die Covid-19-Pandemie kamen ab April die Neuansiedelungen fast vollständig zum Erliegen. Viele der potentiellen Aufnahmestaaten hatten Einreisebeschränkungen bzw. -verbote erlassen. UNHCR und IOM hatten im März 2020 erklärt, die Umsiedelung von Flüchtlingen vorübergehend auszusetzen. Die Wiederaufnahme wurde von den beiden Organisationen im Juni verkündet. Erst im September erreichten die Neuansiedelungen wieder das Niveau vom Jahresbeginn. Im Oktober gab es allerdings einen erneuten Rückgang bei der Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge.

Grafik: Über Resettlement 2020 pro Monat umgesiedelte Flüchtlinge

Anmerkung: Die monatlichen Daten wurden aus der Differenz der in den monatlichen Resettlement-Factsheets angegebenen Gesamtzahlen der bis zu diesem Zeitpunkt umgesiedelten Personen berechnet.

Aufnahmestaaten

Insgesamt 20 Staaten haben 2020 bisher Resettlement-Flüchtlinge über UNHCR aufgenommen, die meisten davon die Vereinigten Staaten, Kanada und Schweden.

Grafik: Über Resettlement 2020 umgesiedelte Flüchtlinge nach Aufnahmestaaten

Der Großteil der Flüchtlingsneuansiedelungen erfolgte bis 2016 durch die USA. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump wurden die Resettlement-Kontingente jedoch stark eingeschränkt. Der Anteil der europäischen Staaten an den gesamten Umsiedelungen stieg 2017 erstmals auf über 40% an (was aber vor allem auf den Rückgang der Aufnahmen durch die USA bedingt war). 2020 wurden bislang 35% der Flüchtlinge von den Vereinigten Staaten aufgenommen, 43% von EU-/EFTA-Staaten bzw. dem Vereinigten Königreich und 15% von Kanada.

Grafik: Entwicklung Anteil an weltweitem Resettlement USA, Kanada, EU/EFTA-Staaten

Die Vereinigten Staaten sind zwar nach wie vor der Staat, welcher die meisten Flüchtlinge über UNHCR aufnimmt. Während allerdings 2016 noch 78.761 Personen eine neue Heimat in den USA gewährt wurde, waren es 2019 21.159, 2020 bisher nur 6.172.

Grafik: USA - Über Resettlement seit 2010 pro Jahr aufgenommene Flüchtlinge

Die europäischen Staaten erreichten 2019 mit 29.066 aufgenommenen Flüchtlingen einen bisherigen Höchstwert. 2020 wurde bis Ende Oktober allerdings nur 7.518 Personen eine Neuansiedelung in Europa ermöglicht. Davon entfielen 5.550 auf die aktuellen EU-Staaten, 1.968 auf das Vereinigte Königreich, Norwegen und die Schweiz.

Grafik: EU/EFTA/UK - Über Resettlement seit 2010 pro Jahr aufgenommene Flüchtlinge

Schweden war 2020 bisher der europäische Staat mit den meisten Resettlement-Aufnahmen, gefolgt von Deutschland. Besonders starke Rückgange der Neuansiedelungen gegenüber dem Vorjahr gab es etwa im Vereinigten Königreich, Frankreich oder den Niederlanden. Nur 9 Staaten haben heuer mehr als 100 Flüchtlinge aufgenommen.

Grafik: Entwicklung Resettlement nach Aufnahmestaaten

Herkunftsstaaten der umgesiedelten Flüchtlinge

„Herkunftsstaat“ bezieht sich auf die Staatsangehörigkeit der umgesiedelten Flüchtlinge, nicht auf den Staat, aus dem das Resettlement tatsächlich stattgefunden hat. In der UNHCR-Datenbank ist nur eine Abfrage nach zehn ausgewählten Herkunftsstaaten (Afghanistan, Bhutan, DR Kongo, Eritrea, Iran, Irak, Myanmar, Somalia, Sudan und Syrien) möglich.

Die meisten der 2020 umgesiedelten Flüchtlinge waren Staatsangehörige Syriens.

Grafik: Über Resettlement 2020 umgesiedelte Flüchtlinge nach Herkunftsstaaten

Im aktuellen Jahr sind die Neuansiedelungen für Personen aus allen Herkunftsstaaten deutlich geringer als im Vorjahr. 2016 fanden noch 47.930 SyrerInnen durch Resettlement eine neue Heimat, heuer waren es bisher 7.387. Die Zahl der umgesiedelten Personen aus Myanmar, dem Irak und Somalia ist in den letzten Jahren besonders stark gesunken. Eine Zunahme gab es bis 2019 bei den Neuansiedelungen von Staatsangehörigen der Demokratischen Republik Kongo, heuer allerdings ebenfalls einen markanten Rückgang. Das Resettlement von Personen aus Bhutan, die in den 1990er-Jahren nach Nepal geflüchtet waren, ist hingegen weitgehend abgeschlossen.

Grafik: Entwicklung Resettlement nach Herkunftsstaaten

Die USA hat 2019 und 2020 insbesondere Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo und Myanmar aufgenommen, für Kanada und die europäischen Staaten bildeten syrische Staatsangehörige die größte Gruppe unter den umgesiedelten Personen.

Grafik: Aus welchen Herkunftsstaaten 2019 Flüchtlinge aufgenommen wurden (nach Aufnahmestaat),Grafik: Aus welchen Herkunftsstaaten 2020 Flüchtlinge aufgenommen wurden (nach Aufnahmestaat),Grafik: Wohin Flüchtlinge 2019 umgesiedelt wurden (nach Herkunftsstaat),Grafik: Wohin Flüchtlinge 2020 umgesiedelt wurden (nach Herkunftsstaat)

Umgesiedelte Personen nach Erstaufnahmestaaten

Erstaufnahmestaaten bezeichnet hier jene Staaten, in denen Personen nach ihrer Flucht zunächst Schutz gefunden haben und in denen für sie über UNHCR die dauerhafte Umsiedelung in einen Aufnahmestaat beantragt wurde.

Die meisten Flüchtlinge wurden 2020 bisher aus dem Libanon und der Türkei umgesiedelt.

Grafik: Über Resettlement 2020 umgesiedelte Flüchtlinge nach Erstaufnahmestaaten
Grafik: Entwicklung Resettlement nach Erstaufnahmestaaten

Resettlement aus Tansania, Ruanda, Thailand und Malaysia erfolgte großteils in die USA. Die Neuansiedelungen aus dem Libanon, der Türkei, Jordanien und Ägypten verteilten sich auf mehrere Hauptaufnahmestaaten. Die meisten Aufnahmen aus dem Libanon gab es durch Kanada, aus der Türkei durch Deutschland, aus Jordanien und Ägypten durch die USA.

Grafik: Aus welchen Erstaufnahmestaaten 2019 Flüchtlinge aufgenommen wurden (nach Aufnahmestaat),Grafik: Aus welchen Erstaufnahmestaaten 2020 Flüchtlinge aufgenommen wurden (nach Aufnahmestaat),Grafik: Wohin Flüchtlinge aus Erstaufnahmestaaten 2019 umgesiedelt wurden,Grafik: Wohin Flüchtlinge aus Erstaufnahmestaaten 2020 umgesiedelt wurden

Resettlement aus Libyen und Niger

Aufgrund der prekären humanitären Situation in Libyen wurden seit Ende 2017 Personen, die für ein Resettlement in Frage kommen, nach Niger evakuiert. 2020 wurden aus Niger bisher 467 Flüchtlinge umgesiedelt, 221 direkt aus Libyen. Wichtigste Aufnahmestaaten waren Schweden, Norwegen und Kanada.

Grafik: Resettlement aus Libyen und Niger

Anmerkungen

Die verwendeten Daten wurden am 1.12.2020 von der UNHCR-Resettlement-Website abgerufen.

Links zu den Datenquellen: